[Rezension] „Prophezeiungen für Jedermann“ von Nicole Gozdek

Das Copyright und die Bildrechte vom Cover liegen beim Piper Verlag.

Zacharias lebt in einer Welt, in der alles seinen festen Gang geht. Menschen werden ausgewählt und müssen ihre Prophezeiung erfüllen. Die sogenannte Prophezeiung für Jedermann sollte ja kein Problem sein, denn wenn jeder sie schaffen kann, sollte auch Zacharias seine Aufgaben erfüllen können. Doch er hat Angst vor dem Tag an dem er seine Prophezeiung erfüllen muss, denn momentan läuft sein Leben nach Plan, er lebt glücklich mit seiner Freundin zusammen und seine Zukunft scheint gesichert. Von seiner Vergangenheit und seinen Ängsten weiß seine Freundin nichts. Doch dann wird er zum Orakel gerufen und erhält seine Prophezeiung, die auf den ersten Blick eigentlich einfach zu erfüllen sein sollte. Doch hinter seiner Prophezeiung steckt so viel mehr und auf einmal wird Zacharias Leben für immer auf den Kopf gestellt.

Auf dieses Buch hatte ich mich unglaublich gefreut, weil ich die Bücher der Autorin liebe. So waren meine Erwartungen sehr hoch und im Großen und Ganzen wurden sie nicht enttäuscht. Ich fand besonders den Weltenentwurf spannend. Denn Zacharias lebt in einer Parallelwelt der Erde. Im Laufe des Buches wird kurz erklärt, wieso es diese Welt gibt und auch sonst erfährt man mehr und mehr über seine Welt, in der es Magie gibt und die Prophezeiungen wichtig sind. Es gibt sogenannte Magische, die Magie beherrschen und seit einem Krieg unterdrückt werden. Die Magie des Buches, die Magischen und das Orakel fand ich unglaublich faszinierend. Am Ende gibt es ein Glossar, das helfen kann sich in der fremden Welt zu orientieren und bei den verschiedenen Personen den Überblick zu behalten. Allerdings hatte ich damit auch ohne das Glossar keine Probleme, weil alles sehr gut beschrieben war.

Die ganze Welt des Buches fand ich unglaublich spannend, zumal die Autorin sich hier ganz nebenbei mit Problemen unserer Gesellschaft befasst und sie in eine gut durchdachte Fantasygeschichte verpackt. So merkt Zacharias z.B. im Laufe seiner Queste, dass er sein Leben bis auf die letzte Sekunde geplant hat und sich nie die Zeit nimmt auch mal den Augenblick zu genießen. Er verdrängt seine Ängste und wird von seiner Mutter als fehlerhaft gesehen, weil er Angst vor Insekten hat und das auch mit Therapien nicht merklich besser wurde. Er ist anders und nicht wie die anderen in der Gesellschaft und deswegen hat er es schwer und muss noch härter arbeiten um seine Ziele zu erreichen. Dabei ist er einfühlsam und lernt im Laufe des Buches, dass die Magischen auch nur Menschen sind und er freundet sich sogar mit einem von ihnen an. Er überwindet Vorurteile, Ängste und seine inneren Zweifel und wächst an seinen Aufgaben über sich hinaus.

Das machte ihn und seine Geschichte für mich besonders und das obwohl es in dem Buch kaum spannungsgeladene und actionreiche Szenen gibt. Ich finde, dass das Buch auch gut mit wenigen solcher Szenen auskommt, weil einfach alles andere unglaublich faszinierend ist. Das Buch hat auf mich einen unglaubliche Sog ausgeübt, zumal es einige Geheimnisse und Verstrickungen zu lösen gab. Allerdings waren mir einige Dinge zu vorhersehbar und das ist mein einziger richtiger Kritikpunkt bei dieser interessanten und außergewöhnlichen Geschichte. Viele Enthüllungen waren mir schon sehr früh klar und auch das Ende kam für mich nicht überraschend, aber hin und wieder gab es dann doch eine Wendung mit der ich nicht gerechnet hätte und auch wenn am Ende ein, zwei Fragen offen bleiben, gefiel mir doch das große Ganze sehr.

Zudem ist der Schreibstil der Autorin sehr einnehmend. Sie schreibt leicht und locker, emotional und mit einer solche Eindringlichkeit, dass ich gar nicht anders konnte als mit Zacharias zu fühlen, zumal die gewählte personale Erzählperspektive sehr gut passt. Er lernt was im Leben wirklich wichtig ist und findet zu sich selbst und vielleicht sollten auch viele andere Menschen auch mal so eine Prophezeiung wie Zacharias erhalten.

Von mir bekommt „Prophezeiungen für Jedermann“ sehr, sehr gut vier Sterne. Auf mich übte die Geschichte einen unglaublichen Sog aus und Zacharias und seine Queste waren für mich ganz besonders. Der Weltenentwurf war nach meinem Geschmack und ganz nebenbei befasst sich das Buch mit Problemen unserer Gesellschaft und konnte mich das eine oder andere Mal zum Nachdenken bringen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für Leser von Fantasybüchern, die auf den ersten Blick etwas ruhiger sind, aber auf ihre ganz eigene Art faszinieren können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.