[Rezension] „Jenseits der blauen Grenze“ von Dorit Linke

Das Copyright und die Bildrechte vom Cover liegen beim Magellan Verlag.

Hanna und Andreas leben in der DDR. Nachdem alles schief läuft und sie ihre Zukunftspläne über den Haufen werfen müssen, da sie ins Visier der Staatsmacht geraten sind, beschließen sie 1989 zu fliehen. Denn in der DDR sehen sie keine Zukunft mehr. Nach langer Vorbereitung und intensivem Training, wagen sie das Unmögliche. Sie fliehen über die Ostsee und müssen fünfzig Kilometer Wasser überwinden. Zurück können sie nicht, verbunden sind sie nur durch ein Seil am Handgelenk. Ein Kampf ums Überleben und für die Freiheit beginnt.

Bald ist es soweit und der Mauerfall ist dreißig Jahre her. Anlässlich dieses Ereignisses und weil es ein Teil meiner eigenen Geschichte ist, lese ich zur Zeit gerne Bücher, die sich mit der DDR oder der Flucht aus der DDR befassen. So bin ich auch auf dieses Buch aufmerksam geworden, das eindrucksvoll schildert, was junge Menschen dazu bewegt hat die DDR zu verlassen und lieber das Risiko einzugehen auf der Flucht zu sterben.

Hanna und Andreas hatten eigentlich eine gute Zukunft vor sich. Hanna wollte studieren und Andreas konnte seinen Traumberuf erlernen. Doch dann geht alles den Bach runter und sie sind Willkür und Misstrauen ausgesetzt, ohne wirklich etwas verbrochen zu haben. Als Leser begleitet man die Beiden in zwei Zeitachsen. Einmal erlebt man das hier und jetzt und wie die beiden die Flucht über die Ostsee wagen. Dazwischen gibt es dann aber Kapitel die die Vergangenheit zeigen, sodass man erfährt, wieso sie überhaupt diesen extremen Schritt gehen und wie sie sich darauf vorbereitet haben.

Diese Art die Geschichte der Beiden zu schildern, fand ich sehr gelungen. Auch der Schreibstil gefiel mir. Er passte zu dem ernsten Thema, aber auch dazu, dass es ein Jugendbuch ist. Hier wird nichts verheerlicht und das Buch zeigt eindrucksvoll wie schnell es in der DDR für die Menschen bergab gehen konnte und wie das Leben da so war. Ich habe hier vieles wiedererkannt, was ich aus Erzählungen meiner Eltern kannte. Aber auch der Kampf ums Überleben wird sehr eindrucksvoll geschildert, auch wenn ich gestehen muss, dass diese Passagen mich zeitweise etwas gelangweilt haben. Da fand ich dann die Passagen aus der Vergangenheit interessanter. Dafür war aber alles sehr emotional verfasst, was dadurch unterstützt wurde, dass alles aus Hannas Ich-Perspektive geschrieben ist.

Ich mochte die beiden Protagonisten sehr gerne, habe mit ihnen gelitten und gehofft, konnte ihr Angst und Verzweiflung fast körperlich spüren. Ich konnte mich perfekt in sie hineinversetzen. So ging mir das Buch unter die Haut und ich kann jedem empfehlen es zu lesen. Denn die DDR und was die Menschen zur Flucht getrieben hat ist ein wichtiger Bestandteil unserer Geschichte und sollte nicht in Vergessenheit geraten.

Ich finde jeder sollte dieses Buch oder ähnliche Bücher lesen, denn die DDR gehört zu unserer Geschichte und hier wird eindrucksvoll geschildert, was junge Menschen dazu trieb zu so extremen Mitteln wie eine Flucht über die Ostsee zu greifen. Mir ging das Buch unter die Haut und ich bin froh, dass ich es gelesen habe.

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