Die tapferen Mütter von Prag- Mein Weg aus der DDR (inklusive Gewinnspiel)

Huhu ihr Lieben,

heute ist für mich ein besonderer Tag und auch ein besonderer Tag in der deutschen Geschichte. Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich aus der ehemaligen DDR komme und vor genau 30 Jahren habe ich diese dank meiner Eltern verlassen. Ich erinnere mich nicht an den Tag, denn ich war erst 2 Jahre alt. Seitdem lebe ich in Westdeutschland und auch wenn kurze Zeit danach die Mauer endgültig für immer gefallen ist, wusste das vor 30 Jahren niemand.

Auf diesem Bild seht ihr mich auf den Armen meiner Eltern. Meine Mutter war damals selbst erst 22 und mein Vater nur wenige Jahre älter. Mit einer kleinen Tochter sind sie ins Ungewisse aufgebrochen und ich habe heute noch großen Respekt vor ihnen, dass sie nur mit dem was sie am Leib trugen und einer einzigen Reisetasche diesen Schritt gegangen sind. Genau deswegen habe ich auch diese reißerische Überschrift der Zeitung, in der damals auch dieses Foto von uns erschien, als Einstieg in meinen Artikel genommen. Denn trotz allem stimmt dieser Satz: „Wir haben es für unsere Kinder getan…“.

Doch bisher habe ich gar nicht gesagt, was meine Eltern getan haben. Wer heute den Fernseher einschaltet, kommt wohl nicht darum zu erfahren, um was es hier eigentlich geht. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich die Berichte sehe, denn ich war live dabei, ich war ein Teil der deutschen Geschichte. Denn vor 30 Jahren haben wir die DDR dank dem Bundesaußenminister Dietrich Genscher verlassen. Mehrere Tage waren wir in der deutschen Botschaft in Prag, es herrschten katastrophale Zustände. Und dann die Erlösung. Wir durften weiterziehen. Zusammen mit rund 4000 anderen Flüchtlingen ging es in den Westen.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Um mich auf diesen Artikel vorzubereiten, habe ich mich lange mit meiner Mutter unterhalten, mein Vater ist leider vor 9 Jahren an Krebs gestorben, sodass ich nur ihre Sicht der Dinge hier aufschreiben kann. Ursprünglich wollte ich es als Interview verfassen, aber das würde den Rahmen sprengen.

Alles begann mit einem Ausreiseantrag, der nicht genehmigt wurde. An dem Tag als meine Eltern nach Prag reisten, sollte der Gerichtstermin stattfinden. Doch den warteten meine Eltern nicht ab. Ein Freund von meinem Vater berichtete kurz vorher, dass sie in der Botschaft in Prag waren und die Zusage hätten, dass sie innerhalb eines halben Jahres ausreisen dürften. Das war dann auch das Ziel meiner Eltern. Dass sie direkt in der Botschaft bleiben würden, hatten sie nie erwartet. So wusste auch keiner über ihre Pläne Bescheid, viel zu groß war die Angst, dass jemand falsches davon Wind bekommen würde.

Der offizielle Weg in die Botschaft war nicht möglich und auch ein Hotel hat man nicht mehr bekommen und so sind meine Eltern im Dunkeln durch den Wald gelaufen, ich habe auf dem Arm meiner Mutter geschlafen und schließlich konnten wir über den Zaun in die Botschaft gelangen. Von dort ging es direkt in ein Zelt, aber nur meine Mutter und ich durften da schlafen. Mein Vater musste draußen schlafen. Laut meiner Mutter herrschten da katastrophale Zustände, es war kalt und nass und man musste den ganzen Tag für Essen oder eine Toilette anstehen.

In der 2. Nacht durften wir im Gebäude schlafen, aber mein Vater musste weiter draußen bleiben.

In der 3. Nacht konnten wir unter dem Dach schlafen und waren wieder zu dritt untergebracht, da alles für die Flüchtlinge freigegeben wurde, da es immer mehr und mehr wurden, womit keiner gerechnet hätte.

Und dann kam der Abend des 30.September. Bundesaußenminister Dietrich Genscher und Kanzleramtsminister Wolfgang Seiters kamen in die Prager Botschaft. Ich war wohl mit anderen Kindern oben, aber meine Eltern standen in der Menge und als sie erfuhren, dass sie die DDR verlassen dürfen war keine Ruhe in die Menschen zu kriegen. Sie warfen Kronen, Autoschlüssel und ähnliches in die Höhe.

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Doch dennoch blieb man skeptisch, weil man durchs DDR-Gebiet musste und meine Eltern mit mir so lange dort standen, zudem wurden die Personalausweise abgenommen. Es hieß, dass wir Ersatzdokumente bekommen, aber die bekamen wir nicht. Zudem war immer diese Angst da, ob ich meinen Eltern weggenommen werden würde. 

Schließlich kamen wir dank eines entfernten Verwandten über mehrere Zwischenstationen in unsere heutige Heimat. Meine Mutter, mein Bruder und ich leben noch heute hier und hier ist auch mein Bruder geboren. Ich bin froh, dass sie diesen Schritt gegangen sind, auch wenn ich nicht wüsste, ob ich an der Stelle meiner Eltern den Mut dazu aufgebracht hätte.

Diese Frage ließ mich bei dem Gespräch nicht los, denn es fielen folgende Zitate:

Auf meine Frage gab es keine eindeutige Antwort, denn es waren viele Faktoren, die zusammenspielten. Meine Mutter sagte, z.B.: „Man war jung damals, es hat einen alles zum Schluß genervt.“ Zudem gab es ein Verwürfnis mit meinem Opa, sodass mein Vater nichts mehr gehalten hat. Der Hauptgrund war wohl, dass sie keine Perspektiven mehr hatten und man eingesperrt war. Es gab keine Reisefreiheit. Zudem musste man sich für jegliche Dinge des alltäglichen Bedarfs anstellen und es gab nicht immer alles. Wenn man irgendwo eine Schlange gesehen hat, hat man sich angestellt und erst vorne erfahren wofür man eigentlich ansteht, egal ob für Kinderkleidung, Obst oder Christbaumkugeln. Vieles ging schon hinter dem Ladentisch weg und kam gar nicht bei den Kunden an. Das hat meine Mutter am eigenen Leib erlebt, als sie in einer Kaufhalle gearbeitet hat.

Meine Eltern wollten für mich ein besseres Leben. Zwar sagt meine Mutter auch, dass nicht alles schlecht war. Doch hatte man andere politische Ansichten oder ging nicht wählen, hat man Probleme auf der Arbeit bekommen. Man wusste nie, wem man wirklich trauen kann. Und es ging alles nur über Beziehungen. Sie sagt, man kann sich heute auch nicht mehr vorstellen, wie es war, aber auch, dass sie den Schritt der Flucht nicht gegangen wäre, wenn man gewusst hätte, dass die Mauer fällt. Für meine Eltern und mich hat sich alles aber gut entwickelt und ja, wir haben mit Geschichte geschrieben.

Das war mein Weg aus der DDR. 

GEWINNSPIEL

Ich habe hier vieles abgekürzt, damit der Artikel nicht noch länger wird und hoffe, dass euch dieser Bericht nicht gelangweilt hat. In Kooperation mit dem wundervollen Carlsen Verlag darf ich das Buch „Alles nur aus Zuckersand“ verlosen. In dem Buch geht es zwar nicht um die Flucht über Prag, aber auch hier ist die DDR ein wichtiges Thema und ich werde das Buch auch ganz bald lesen, weil ich das Thema einfach unglaublich wichtig finde.

Kurzbeschreibung „Alles nur aus Zuckersand“

Für Fred und seinen besten Freund Jonas ist jeder Tag ein Abenteuer. Am liebsten spielen sie in der verlassenen Fabrik, ganz in der Nähe der Grenze zu West-Berlin. Doch als bekannt wird, dass Jonas‘ Mutter einen Ausreiseantrag gestellt hat, werden die beiden aus ihrem unbeschwerten Alltag gerissen. Ab sofort dürfen sie sich nicht mehr treffen. Aber die Freunde haben einen Plan: Heimlich fangen sie an, einen Tunnel in den Brandenburger Sand zu graben. Auch wenn Jonas die DDR verlässt, werden sie sich wiedersehen. Ganz sicher.

Teilnahmebedingungen

  • Der Teilnehmer muss mindestens 18 Jahre alt sein, oder das Einverständnis der Eltern haben.
  • Mit dem Kommentar erklärt sich der Teilnehmer damit einverstanden, dass er im Gewinnfall namentlich auf dem Blog / Facebook / Instagram genannt wird.
  • Hinterlasst einfach einen Kommentar unter diesen Beitrag, bei Instagram oder Facebook und erzählt mir ob ihr euch an den 30.09.1989 erinnert oder schon einmal von dem Tag und den Ereignissen in Prag gehört habt.
  • Der Teilnehmer muss sich im Gewinnfall per E-Mail bei mir melden, damit ich das Buch versenden kann. Alle Daten werden nach dem Gewinnspiel gelöscht und dienen nur der Gewinnbenachrichtigung und dem Gewinnversand.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Für verloren gegangene Postsendungen wird nicht gehaftet.
  • Das Gewinnspiel endet am 03.10.2019 um 23:59 Uhr.

Der Gewinner steht fest. Gewonnen hat: Sasija.

Herzlichen Glückwunsch!

6 Replies to “Die tapferen Mütter von Prag- Mein Weg aus der DDR (inklusive Gewinnspiel)”

  1. Hallo Mandy,
    ein toller Artikel! Ich möchte zwar nicht am Gewinnspiel teilnehmen, aber dennoch kurz dazu was sagen.
    Ich kann mich an den Tag nicht erinnern, was wohl daran liegt, dass ich da noch im Bauch meiner Mama war :-) Es ist schon erstaunlich, wie die Menschen die damalige Zeit wahrgenommen haben. Meine Eltern sind ja auch in der DDR aufgewachsen, aber ich glaube sie haben nie wirklich mit dem Gedanken gespielt zu flüchten. Vielleicht auch, weil sie schon etwas älter waren (Mitte 30) und doch ein recht gesichertes Leben dort hatten. Zum Glück ging für deine Familie alles gut aus! Da gibt es ja leider auch ganz andere Geschichten.

    Toller Einblick in die Vergangenheit!

    Liebe Grüße,
    Diana

    1. HUhu Diana,
      danke für deinen Kommentar. Das stimmt, meine Mutter sagte auch, dass es für viele nicht so gut ausging. Sie hatten wohl alles in allem einfach Glück, auch wenn vieles schwierig und schrecklich war. :)
      Schön, dass dir der Artikel gefallen hat, das bedeutet mir viel.
      Liebe Grüße
      Mandy

  2. Hey Mandy :)

    Ein großartiger Bericht. So emotional und rührend. Ich hatte Gänsehaut bei deiner Erzählung. Sie hätte gerne noch länger sein dürfen. Vielen lieben Dank für deinen doch sehr persönlichen Beitrag. Schön, dass wir heute kein geteiltes Deutschland mehr sind und damals für deine Familie alles gut gegangen ist. :*

    Fühl dich ganz doll gedrückt. Bis in 2 Wochen. :D

    Herzliche Grüße Sasija ♡

    1. Huhu Sasija,
      schön, dass dir der Bericht so gefällt. Ich fand es auch total spannend mich noch intensiver damit zu befassen und so lange mit meiner Mutter darüber zu sprechen. Das haben wir zwar immer etwas, aber nie so intensiv.
      Fühl dich ebenfalls ganz doll gedrückt. :)
      Liebe Grüße
      Mandy

  3. ich kann mich nicht wirklich an die Ereignisse damals erinnern, was zum Einen daran liegt, dass ich aus Österreich komme, aber ich war damals auch erst 6 Jahre alt. Ich habe also alles aus Frensehen und von anderen Berichten erfahren und finde das Thema sehr wichtig. Ich hätte übrigens auch noch viel mehr gelesen, also der Artikel war auf keinen Fall zu lang. Auch das Buch scheint eine tolle Story zu haben – würde ich sehr gerne lesen.

    1. HI Barbara,
      es ist ja auch schon 30 Jahre her, aber gerade deswegen finde ich es so wichtig, dass das alles nicht in Vergessenheit gerät. Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat und du auch noch mehr gelesen hättest. :)
      Liebe Grüße
      Mandy

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