[Rezension] Joelle Charbonneau- Die Auslese: Nur die Besten überleben

 
Nach den Sieben Stadien des Krieges, die Großteile der Menschheit ausgelöscht haben und das Land und die Flüsse und Seen vergiftet haben, hat sich eine neue Gesellschaft gebildet. Diese ist der Meinung, dass Menschen, die politische Macht ausüben sollen, in der sogenannten Auslese getestet werden sollen. Nur die besten schaffen die Tests und dürfen an die Universität gehen.
Die sechszehnjährige Cia ist eine der Auserwählten. Ihr Leben lang hat sie sich nichts sehnlicher gewünscht, als für die Auslese ausgewählt zu werden. Doch dann sterben die ersten Bewerber und Cia wird klar, dass sie alles geben muss, um die Auslese zu überleben.
 

 
Da ich Dystopien liebe, konnte ich natürlich nicht an diesem vielversprechenden Buch vorbeigehen.
„Die Auslese“ beginnt zuerst recht unspektakulär. Man erlebt Cia, wie sie sich auf ihre Abschlussfeier und den Übertritt in die Erwachsenenwelt vorbereitet. Dabei lernt man ihre Kolonie kennen (es gibt verschiedene Kolonien) und erfährt, wie die Menschen nach dem Krieg leben und sie jeden Tag gegen die Folgen des Krieges kämpfen.
Diese Informationen werden aber nicht trocken vermittelt, sondern in die Gesamthandlung mit eingebunden durch z.B. Prüfungsfragen, die Cia zu beantworten hat. Schnell war ich völlig in ihre Welt versunken, die detailliert, aber nicht zu langatmig beschrieben ist.
 
Nach der anfänglichen ruhigen Eingewöhnungsphase, die mir als Einstieg gut gefallen hat, steigert sich die Spannung stetig, sodass sich zum Schluss die Geschehnisse überschlagen.
Bevor ich das Buch gelesen habe, bin ich davon ausgegangen, dass die Bewerber der Auslese sich gegenseitig töten müssen, um zu bestehen, was mich sehr an andere Dystopien erinnert hat. Das ist aber nicht der Fall, so dass hier altbekannte Dystopie-Elemente mit neuen Ideen kombiniert werden. Die Auslese siebt die Bewerber zuerst durch Intelligenz- und Wissenstests aus, die aber brutale Strafen beinhalten. Dann gibt es eine
Überlebensphase, in der die Bewerber verseuchtes Land durchstreifen
müssen. Zu keiner Zeit müssen sich die Bewerber gegenseitig töten,
obwohl es für manche eine Möglichkeit ist, Bewerber auszuschalten
und die eigenen Chancen zu erhöhen.
Man bekommt als Leser so nebenher einen guten Einblick in das menschliche Gewissen und die Psyche und wie unterschiedlich die Menschen mit Stress und Angst umgehen. Mit überraschenden Wendungen und einem gut ausgeklügeltem Plot in einer zuerst ganz harmonischen Welt, die aber stetig düsterer wird, konnte mich „Die Auslese“ begeistern.
Lange Zeit wusste ich gar nicht, in welche Richtung sich die Handlung
entwickeln wird und war dadurch nur noch mehr ans Buch gefesselt.
 
Dazu kommt, dass die Protagonisten sehr gut ausgearbeitet sind und eine gewisse Tiefe besitzen. Vor allem Cia ist gut gelungen und vielschichtig. Sie ist sehr intelligent, weiß sich zu helfen, denkt aber auch an ihre Freunde und hilft mit ihrem Wissen anderen und nicht nur sich selbst. Dennoch ist sie nicht naiv oder langweilig. Sie weiß was sie will und würde dafür alles geben. Als Leser wird man bei vielen Protagonisten in die Irre geführt und ich wusste oft nicht, wem Cia trauen kann und wem nicht, was die Spannung zusätzlich erhöht hat.
 
Joelle Charbonneau hat einen sehr eindringlichen Schreibstil, und auch
wenn ich zuerst über die eine oder andere Formulierung gestolpert
bin, konnte mich der Schreibstil schnell fesseln. Er ist emotional,
detailliert, dabei aber leicht und locker zu lesen. Die ganze
Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Cia geschildert, so dass
man als Leser stets mit ihr fühlt und nur so viel weiß, wie Cia
selbst auch weiß.
 
Das Ende ist atemberaubend, schockierend und in sich abgeschlossen,
dennoch bin ich gespannt, wie es im nächsten Band weitergehen wird.
Für eine Trilogie ist „Die Auslese“ ein mehr als gelungener
Auftakt.
 

Für Dystopie-Fans ist „Die Auslese“ ein absolutes Must-Read.
Hier werden bekannte Elemente mit neuen Ideen verknüpft und als
Leser wird man des Öfteren in die Irre geführt. Die Spannung baut
sich nach und nach auf und der Plot ist völlig nach meinem Geschmack
und lässt keine Wünsche offen. Dazu gibt es tiefgründige und
vielschichtige Protagonisten, die mich immer mal überraschen
konnten. Ich bin mit hohen Erwartungen an „Die Auslese“ herangegangen, wurde aber nicht enttäuscht.

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