[Rezension] Neal Shusterman- Vollendet

 
 
 

Nach dem sogenannten „Heartland-Krieg“ entstanden die „Charta des Lebens“. Diese behandeln die größte Streitfrage der Abtreibungsgegner und Abtreibungsbefürworter, die für den Krieg verantwortlich waren. So hat jeder Mensch das Recht bis zu seinem 13. Lebensjahr zu leben.
Zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr kann jeder Jugendliche von seinen Eltern umgewandelt werden, dabei wird jeder Körperteil, jedes Organ und jede Zelle „wiederverwertet“ und gespendet. Das Leben desjenigen geht anders weiter und gilt nicht als beendet.
Risa, Connor und Lev sollen umgewandelt werden, jeder aus anderen Gründen. Doch gemeinsam fliehen sie vor dem unausweichlichem Schicksal.

 

Schon als ich das erste Mal von dem Buch hörte, wurde ich neugierig. Als gelernte Kinderkrankenschwester finde ich das Thema der Organspende hochaktuell und so, wie das Thema hier dargestellt wird, ist es erschreckend, aber durchaus so oder so ähnlich in Zukunft denkbar. Das macht das Ganze so real, faszinierend und erschreckend zugleich.
So regt es, obwohl es eine fiktive Zukunftsversion dargestellt, zum Nachdenken an. Die Ausarbeitung der Grundidee, gepaart mit einer teils beklemmenden und düsteren Atmosphäre konnte mich schnell fesseln.

Die drei Jugendlichen Connor, Risa und Lev haben wenig Hoffnung auf Rettung, aber gerade wie sie zum ihr Überleben kämpfen ist spannend dargestellt.
Der 16-jährige Connor war immer schon eher ein Problemkind und wird deshalb von seinen Eltern zur Umwandlung freigegeben. Für seine Eltern scheint es der einfachere und schönere Weg zu sein, auch wenn es mich erschreckt, wie einfach sie das veranlassen. Da merkt man auch, was die Medien einen Einfluss auf die Menschen haben, da dort immer die Umwandlung als was Gutes angepriesen wird.
Risa lebt in einem Waisenhaus und als die Gelder gekürzt werden, muss sie umgewandelt werden. Dabei war sie bisher immer Mustergültig.
Lev dagegen möchte umgewandelt werden, da er seitdem er denken kann als Zehntopfer umgewandelt werden soll. Seine strenggläubigen Eltern haben ihn dementsprechend erzogen und er fühlt sich, als wäre er etwas Besonderes, wenn er umgewandelt wird.
Diese drei Protagonisten sind außerordentlich gut ausgearbeitet und ihre Beweggründe nachzuvollziehen. Alle drei entwickeln sich im Laufe der Handlung und treffen die unterschiedlichsten und interessantesten Protagonisten.

Der Schreibstil von Neal Shusterman ist durchweg ansprechend und leicht und locker zu lesen. Er ist einfach gehalten passt zu den jeweiligen Protagonisten. Die Handlung wird aus der personalen Sicht von Connor, Risa, Lev und einigen anderen Protagonisten geschildert. was mir gut gefallen hat, weil man so jeden Einzelnen näher kennenlernt. Emotionen werden glaubhaft übermittelt, sodass ich einfach mit den Protagonisten fühlen musste. Dazu verbindet Neal Shusterman geschickt verschiedene Handlungsstränge, sodass sie am Ende ein stimmiges Ganzes entsteht.

Zeitweise plätschert die Handlung zwar vor sich hin, aber im Großen und Ganzen gefallen mit die Entwicklungen, auch wenn mich das Ende nicht wirklich überrascht hat und nicht so ganz nach meinem Geschmack ist. Ich bin schon gespannt, wie sich der Plot im nächsten Band weiterentwickeln wird.

 

Neal Shusterman hat mit „Vollendet“ eine erschreckend reale Dystopie erschaffen, die zum Nachdenken und Mitfiebern anregt. Die Idee ist schockierend und faszierend zugleich und obwohl ich viele Dystopien lese, habe ich nicht das Gefühl so etwas schon einmal gelesen zu haben.
Ich kann diesen Auftakt nur jedem Dystopie-Fan empfehlen.

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