[Rezension] „Marmorkuss“ von Jennifer Benkau

 

Jarno ist alles andere als ein Märchenprinz. Für seinen Traum Fotograf zu werden würde er fast alles tun und gerät durch einen Job in kriminelle Machenschaften. Dadurch droht er alles zu verlieren was ihm wichtig ist. Als er in einer leerstehenden Villa eine wunderschöne Marmorstatue entdeckt, ist er völlig fasziniert von ihr und möchte das perfekte Foto schießen. Doch als er sie aus Versehen küsst, verschwindet die Statue und es erscheint eine junge Frau aus einer anderen Zeit. So beginnt eine ungewöhnliche Dornröschen-Geschichte…


Ich bin ein großer Fan von Jennifer Benkaus Büchern und Märchen-Adaptionen und so war ich mehr als gespannt auf dieses neue Werk, was eine etwas andere und moderne Dornröschen Geschichte erzählt.
Schon der Beginn ist einzigartig, denn bevor es richtig losgeht liest man das für Märchen typische „Es war einmal…“ und man erwartet irgendetwas typisch märchenhaftes und kitschiges. Doch dem ist nicht so. Der erste Satz ist herrlich unkoventionell und umgangssprachlich und man begleitet Jarno dabei, wie er versucht zwei Punks zu fotografieren vor denen er dann fliehen muss. Er versucht für einen Wettbewerb das beste Foto zu schießen, damit er endlich die Ausbildung zum Fotografen machen kann, doch das ist gar nicht so einfach.

Jarno ist ein Protagonist, der nicht unbedingt Sympathien weckt, da er teilweise ein etwas fragliches Verhalten an den Tag legt. Aber im Laufe des Buches entwickelt er sich und ist mir sehr ans Herz gewachsen, denn obwohl er längst nicht perfekt ist, hat er sein Herz am rechten Fleck. Das macht ihn sehr authentisch und tiefgründig.

Neben Jarnos begleitet man Klara, die 111 Jahre vor Jarno gelebt hat und am liebsten Lehrerin werden möchte. Doch sie möchte ebenfalls heiraten, was in ihrer Zeit so einfach nicht erlaubt ist. Sie müsste sich für einen ihrer Träume entscheiden. Sie war mir von Anfang an sympathisch und ich konnte mit ihr fühlen. An sich verläuft ihr Leben gut, bis auf einmal eine geheimnisvolle Frau sie verfolgt und droht ihr alles zu nehmen.

Diese beiden Handlungsstränge verlaufen eine ganze Zeit lang parallel zueinander und erst später wird klar, was sie miteinander zu tun haben. Klaras Geschichte wird aus ihrer Ich-Perspektive geschildert, Jarnos dagegen als personaler Erzähler. Neben den beiden Perspektiven gibt es noch eine dritte, die aber nur selten zu Wort kommt.
Bevor Klaras und Jarnos Handlungsstränge zusammenlaufen sind die Übergänge der Perspektiven sehr ungewöhnlich, denn bei einer Perspektive hört der Satz mitten drin auf und wird dann bei der anderen Perspektive weitergeführt. Dieses Stilmittel hat mir richtig gut gefallen, weil es mal etwas anderes ist.
Sobald die Handlungsstränge sich kreuzen werden die Sätze aber wieder ganz normal beendet.

Die Sprache passt zu der jeweiligen Zeit, in der alles spielt und Klara drückt sich teils sehr „altbacken“ aus, was aber sehr realistisch und gut umgesetzt ist. Jarno dagegen spricht sehr umgangssprachlich, was immer mal wieder zu interessanten Dialogen führt und mich oft schmunzeln lassen hat.
Der Schreibstil ist gewohnt poetisch und unglaublich gut. Jennifer Benkau kann tolle bildliche Vergleiche ziehen und benutzt wunderbare Metaphern, sodass man völlig in das Buch versinken kann.

Die Liebesgeschichte, die im Klappentext groß angekündigt wird, ist wie eigentlich das ganze Buch sehr ungewöhnlich und Jarno und Klara haben einen schweren Start. Es dauert lange bis sie sich näher kommen und alles entwickelt sich langsam, was ich sehr überzeugend finde. Denn Klara muss sich in einer fremden Zeit zurechtfinden und erst mal verdauen, dass jeder den sie kannte nicht mehr lebt.

Das Buch beinhaltet überraschend wenig Magie und Fantasy, aber eine grandiose Idee. Bis auf, dass Klara durch Magie zu einer Marmorstatue wurde und von einer seltsamen Frau verfolgt wird, die Magie anwenden kann, kommt keinerlei Fantasy darin vor. Dennoch fehlt dieser Aspekt eigentlich nicht, denn der Plot ist fesselnd, faszinierend und auf seine Art sehr spannend.
Ich habe jede einzelne Seite genossen und viel zu schnell war ich bei einem grandiosen und sehr emotionalem Finale angelangt.


Mit „Marmorkuss“ hat Jennifer Benkau eine völlig andere Dornröschen-Geschichte geschaffen, die vor allem durch ihre unkonventionelle Art und einem grandiosem Schreibstil überzeugen kann. Wer jedoch Kitsch und viel Magie erwartet, dürfte enttäuscht sein, denn das sucht man hier vergeblich.
Mich konnte das Buch von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen und ich bin schon jetzt gespannt auf Jennifer Benkaus nächstes Werk.

6 Replies to “[Rezension] „Marmorkuss“ von Jennifer Benkau”

  1. Huhu liebe Mandy,

    eine wirklich tolle Rezension zu einem echt grandiosen Buch <3. Ich fand Marmorkuss auch richtig toll, auch wenn ich mir noch etwas mehr Elise Momente gewünscht hätte, aber ansonsten bin ich rund um zufrieden :)

    Liebste Grüße, Ally

  2. Hallo Mandy,

    wieder eine tolle Rezension. Ich habe bisher nur Canopy von Jennifer Benkau im Regal stehen und daher noch nichts gelesen. Aber die Resonanz ist stets überwältigend. Auch empfinde ich sie als eine unglaublich sympathische Autorin.

    Mamorkuss steht (vor allem jetzt nach deiner Rezension) zu Recht auf meiner Wunschliste. Ich hatte mich bisher noch nicht weiter mit dem Inhalt befasst und freue mich um so mehr, dass es sich hierbei um eine etwas andere Märchenadaption handelt. Es wird also eine prima Lektüre in der Weihnachtszeit sein, die ich mir bis dahin hoffentlich noch zulege!

    Danke und liebste Grüße,
    Diana

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