[Rezension] „Offline ist es nass, wenn’s regnet“ von Jessi Kirby

Das Copyright und die Bildrechte vom Cover liegen beim Loewe Verlag.

Bisher führte Mari ein Scheinleben auf Instagram, von ihrem Frühstück bishin zu ihrem Freund ist nichts echt und dennoch verbringt sie viel Zeit damit jede Kleinigkeit zu posten. Doch dann verändert sich alles. An ihrem 18. Geburtstag wirft sie alles hin. Sie schwört dem Social Media ab und nachdem ein Wanderrucksack, Wanderschuhe und ein Trailtagebuch ihrer verstorbenen Cousine bei ihr auftauchen, beschließt sie zu dem Yosemite Nationalpark zu reisen und dort mit der Wandertour zu beginnen, die eigentlich ihre Cousine geplant hatte. Sie stellt sich neuen Herausforderungen und fast ohne es zu merken, verändert sich ihr Leben für immer.

Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch nicht lesen wollte. Hätte mir der Verlag das Buch nicht überraschend geschickt, wäre diese großartige Geschichte wohl an mir vorbeigegangen. Und damit hätte ich wirklich etwas verpasst, denn „Offline ist es nass, wenn’s regnet“ gehört schon jetzt zu meinen Jahreshighlights. Es ist ein unglaublich emotionales, unglaublich wichtiges Buch, das mich komplett in seinen Bann ziehen konnte.

Es beginnt damit, das man Maris Scheinleben kennenlernt. Man sieht, wie sie ihre Fotos vorbereitet, wie sie sich mit ihrem angeblichen Freund trifft um Fotos zu machen und jede Kleinigkeit plant. Sie führt ein online Leben und kein echtes und ist süchtig nach Anerkennung, nach Kommentaren und Likes. Bekommt sie Kritik leidet sie direkt unter Selbstzweifeln. Dieses Buch zeigt erschreckend die Gefahren des Social Media und der heutigen Zeit und gerade deswegen finde ich es so wichtig. Der Anfang des Buches hat mich so erschreckt, so abgestoßen, dass ich meinen Mann beim Lesen regelmäßig genervt habe, weil ich ihm Stellen aus dem Buch erzählt habe.

Ich mochte Mari nicht und als ich dann noch erfuhr, wie es mit ihrer Cousine Bri und ihr auseinanderging, mochte ich sie noch viel weniger. Doch dann ändert sich alles. Als Mari ihren 18. Geburtstag alleine verbringt, stellt sie ihr erstes ehrliches und echtes Video online, löscht ihre Accounts und sieht endlich, dass das kein echtes Leben war. Als dann noch die Wanderausrüstung ihrer Cousine als Geschenk ihrer Tante bei ihr ankommt, macht sie sich auf den Weg zu einer Wanderung, die es in sich hat. Ich konnte nicht glauben, dass sie völlig unvorbereitet, ohne Training und ohne eine Ahnung von der Ausrüstung oder Gefahren zu haben, losläuft. Doch Mari wächst über sich hinaus, erlebt Freundschaften, Zusammenhalt und Freundlichkeit. Wildfremde Menschen helfen ihr und sie zeigt einen starken Willen und findet schließlich zu sich selbst.

Die Veränderung, die im Laufe des Buches mit Mari passiert, fand ich großartig und sehr authentisch. Sie wurde mir immer sympathischer, auch wenn sie immer wieder Selbstzweifel hat und es ihr schwer fällt Vertrauen zu haben und zu sehen, was sie schon alles erreicht hat. Aber es wäre auch unlogisch gewesen, wenn ihre Selbstzweifel so schnell verschwunden wären. Auf ihrer Wanderung trifft sie auf andere Menschen und ich muss sagen, dass mich alle Figuren des Buches überzeugen konnten.

Es ist ein ganz besonderes Buch über das Leben und das man es nicht verschwenden soll, aber auch über Trauer und Verlust. Man weiß nie, wann es zu Ende ist und man sollte es so leben, das man nichts bereut und diese Botschaft dahinter finde ich so wichtig. Unerstützt wird das Ganze durch einen grandiosen Schreibstil. Die Beschreibungen sind unglaublich atmosphärisch und ich hatte das Gefühl hautnah mit dabei zu sein. Maris Emotionen konnte ich zu jeder Zeit nachvollziehen, was auch an der gewählten Ich-Perspektve lag. Ich hatte oft Tränen in den Augen. Auch wird nichts beschönigt. Die Autorin beschreibt, wie Marie ihre Blasen jeden Abend verbindet und wie sie oft kämpfen muss, was ich wirklich gelungen fand. Zudem gibt es in dem Buch so viele wundervolle Sätze, dass ich eine ganze Zitatesammlung damit füllen könnte.

Schon vor dem Buch hatte ich beschlossen irgendwann einen Wandertour durch Schottland zu machen, nach dem Buch ist dieser Entschluss nur noch bestärkt worden. „Offline ist es nass, wenn’s regnet“ ist eins von den Büchern, die zum Nachdenken anregen, einen mitreißen und sein eigenes Leben überdenken lassen. Gerade in der schnelllebigen heutigen Zeit finde ich dieses Buch sehr wichtig und jeder sollte es gelesen haben.

Ich könnte ewig von diesem Buch schwärmen. „Offline ist es nass, wenn’s regnet“ ist ein ganz besonderes Buch, mit einer unglaublich wichtigen Botschaft und für mich ein Jahreshighlight. Ich kann nur jedem empfehlen es zu lesen.

6 Replies to “[Rezension] „Offline ist es nass, wenn’s regnet“ von Jessi Kirby”

  1. Hallo Mandy,

    eine wunderbare Rezension, die ich 1:1 unterschreiben kann. Mir hat die Geschichte ebenfalls sehr gut gefallen und war eines meiner Highlights im Januar. Die Story ist bewegend und mitfühlend, macht einen aber auch wütend, nur um ein paar Seiten weiter richtig lebensbejahrend zu sein. Dabei ist der Schreibstil einfach nur phenomenal und so bildgewaltig, dass ich dachte, ich würde es mit meinen eigenen Augen sehen bzw. dabei sein. Schade, dass die Geschichte so schnell gelesen und zu Ende war.

    Liebe Grüße,
    Uwe

    PS: ich finde es übrigens lustig, dass Ally, du und ich am gleichen Tag das selbe Buch resenziert haben ^^ :) Das hatten wir auch noch nicht.

    1. Huhu Uwe,
      schön. dass dich das Buch auch so begeistern konnte. Ich bin ja so froh, dass ich es doch gelesen habe. Deine Worte sind so treffend.
      Eure Rezis muss ich unbedingt auch noch lesen. Schon witzig, dass wir sie am gleichen Tag online gestellt haben. Mir meinem kranken Sohnemann komme ich gefühlt echt zu nichts…. wird Zeit, dass der Frühling kommt.
      Liebste Grüße
      Mandy

  2. Hallo Mandy,

    eine sehr tolle Rezension.
    Ich finde es gerade schade, dass meine Tochter noch etwas zu jung für dieses Buch ist. Auch für sie wäre es wohl sehr lesenswert, aber ich denke, da müssen wir noch mit warten.

    Ich werde es auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

    1. Hi Rebecca,
      danke dir. Ich kann das Buch gar nicht genug empfehlen. Es ist wirklich großartig. Das Thema und die Umsetzung waren phänomenal und ganz nach meinem Geschmack.
      Liebe Grüße
      Mandy

  3. Hallo Mandy,

    wenn du ein Buch eigentlich nicht lesen wolltest und es dich dann doch überzeugt hat, spricht das für mich sehr für die Autorin :-) Und Maris Wandlung hört sich sehr interessant an. Ich musste ja schmunzeln, als ich gelesen habe, dass du Mari überhaupt nicht gemocht hast :-)

    Ich werde das Buch auf jeden Fall auch noch lesen.

    liebe Grüße
    Desiree

    1. Hi Desiree,
      ja, das stimmt. Für mich war es wirklich so ein Überraschungshighlight und wenn du es lesen wirst, wünsche ich dir ganz, ganz viel Spaß.
      Liebe Grüße
      Mandy

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