[Rezension] „The Hurting- Als du mich gestohlen hast“ von Lucy van Smit

Das Copyright und die Bildrechte vom Cover liegen beim Chicken House Verlag.

Die 15-jährige Nell hat es nicht einfach. Ihre Schwester hat Krebs und deswegen musste sie zusammen mit ihr und ihrem Vater, der mit der ganzen Situation überfordert und auch noch ein Alkoholiker ist, nach Norwegen ziehen. Sie ist dafür zuständig, dass es ihrer Schwester nicht schlechter geht, ihre eigenen Bedürfnisse zählen nicht. Erst als sie Lukas kennenlernt, hat sie eine Chance darauf glücklich zu sein. Doch Lukas ist düster, Lukas ist gefährlich und hat seine ganz eigenen Pläne. Viel zu spät merkt Nell das und schon befindet sie sich mitten in einem Überlebenskampf.

Dieses Buch finde ich nicht leicht zu bewerten. Ich weiß gar nicht genau, was ich für Erwartungen daran hatte, aber es konnte mich schon direkt zu Anfang schockieren und fesseln. Der Prolog spielt drei Monate in der Zukunft und da ahnt man schon in welche Richtung sich das Buch entwickeln wird.

Doch ich hatte nicht mit Nells Umfeld gerechnet. Sie lebt ohne Mutter und muss sich in ihren jungen Jahren um ihre krebskranke Schwester und ihren Vater kümmern, der eher dem Alkohol zugetan ist, als auch mal daran zu denken, dass Nell auch ein Mensch ist. Dabei hat es mich schockiert, wie überfordert der Vater mit seiner kranken Tochter ist und dass er sich darauf verlässt, dass Nell sich um sie kümmert, ihr ihre Medikamente gibt und sie im Notfall handelt. Von einer Krankenschwester, die die Familie unterstützt, möchte er nichts hören. Das fand ich so unglaublich schockierend, denn niemand in dem Alter sollte für ein Menschenleben verantwortlich sein.

Zudem verhält sich Nells Schwester auch grausam und richtig fies. Zwar kann ich sie bis zu einem gewissen Punkt verstehen, aber sie sollte dankbar sein, dass es Nell gibt und ihr vielleicht auch mal etwas Liebe zeigen. Doch sie verrät Nell und zwingt ihr die Verantwortung für sich auf, denkt nur an sich und nicht an das Leben ihrer Schwester. So ist es nicht verwunderlich, dass Nell ausgehungert ist, ausgehungert nach Liebe und Zuneigung.

Und da kommt Lukas ins Spiel. Er hat eine düstere Geschichte, läuft mit einem Mantel aus Wolfsfell duch die Gegend und bringt Nell Zuneigung und Verständnis entgegen. Er füttert sie quasi mit Liebe und so handelt sie oft unverantwortlich und tut Dinge, die ich im Leben nie machen würde. Aber ich konnte sie verstehen.

Das Buch ist eindringlich geschrieben und voller düsterer Emotionen. Zudem ist das Setting Norwegen perfekt für diese Geschichte geeignet und die Landschaft wurde bildgewaltig dargestellt. Der Plot wird hauptsächlich aus Nells Ich-Perspektive geschildert, man erlebt als Leser aber auch immer wieder die Perspektive von Lukas. 

Vor dem Lesen dachte ich, dass es sich hierbei um einen Thriller handelt, doch das Buch ist viel mehr ein Drama mit starken Spannungselementen und obwohl es wirklich ein eindringliches Buch ist, das nachklingt, konnte es mich nicht zu hundertprozent überzeugen. Ich weiß gar nicht so genau, woran das lag. Bei manchem hätte ich mir ein paar mehr Erklärungen gewünscht und über die Figuren des Buches musste ich oft den Kopf schütteln. Das Ende rundet das Ganze aber sehr gut ab und gefiel mir gut.

Wer nach einem etwas anderen Buch sucht, sollte sich Nells Geschichte nicht entgehen lassen. Das Buch ist eindringlich und klingt nach. Zudem ist das Setting Norwegen durchweg gelungen. Von mir gibt es definitiv eine Leseempfehlung für dieses ungewöhnliche Buch und sehr, sehr gute vier Sterne.

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