[Hörbuch-Rezension] „Das Labyrinth vergisst nicht“ von Rainer Wekwerth

Mary hat es getan. Sie ist wieder ins Labyrinth zurückgekehrt. Doch nichts ist wie zuvor und ihr fehlen die Erinnerungen. Tief unter der Erde kämpfen die sieben Jugendlichen um ihr Überleben und gegen einen übermächtigen Gegner. Es scheint keinen Ausweg zu geben, doch Jeb, Jenna, León, Mary, Mischa, Tian und Kathy geben nicht auf.

Für mich war es eine mehr als positive Überraschung als ich erfuhr, dass die „Labyrinth“-Trilogie noch einen vierten Band bekommen würde. Ich habe die Reihe geliebt und konnte das Erscheinen dieser Fortsetzung gar nicht erwarten. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Als Hörbuchhörer wird man direkt mitten in eine düstere Welt geworfen. Mary und Kathy befinden sich zuerst in einer Psychiatrie, aber schließlich landen auch sie unter der Erde. Dort sind die Jugendlichen gefangen in einem düsteren und perfiden Gefängnis. Die Idee dahinter fand ich grandios und auch die Darstellung mehr als gelungen. Ich hatte beim Hören Gänsehaut und fieberte mit den Jugendlichen mit.

Nach und nach sind die sieben dann wieder vereint, erinnern sich aber nicht aneinander und an die Geschehnisse im Labyrinth. Vereinzelt haben sie voneinander geträumt, sodass sie einander nicht völlig fremd sind. Doch ansonsten müssen sie sich erst wieder kennenlernen. Nur die Gefühle von Mary und León sind immer noch da.

Im Fokus der Geschichte stehen dann vor allem Mary und León, was auch daran liegen mag, dass der Plot abwechselnd aus der personalen Erzählperspektive der Beiden geschildert wird. Das fand ich aber gut, weil es nicht einfach ist sieben Protagonisten unter einen Hut zu kriegen, zumal sie sehr unterschiedlich sind. Auch mochte ich nicht jeden der Sieben, vor allem aber Kathy nicht. Der Autor versteht es Sympathien und Antipathien zu wecken. Auch sorgt er dafür, dass man als Leser trotz seiner gewählten Erzählweise über jeden der sieben Jugendlichen im Bilde ist und man das Schicksal von ihnen nicht verpasst.

Das Hörbuch ist temporeich, spannend, voller Gefahren und Tücken und ich konnte mich seinem Sog kaum entziehen. Allerdings muss ich sagen, dass mir ab einem gewissen Punkt etwas gefehlt hat. Vieles wurde nur angerissen, zu viele Fragen blieben unbeantwortet und trotz des tollen Schreibstils wurde ich immer unzufriedener, weil hier einfach Potenzial verschenkt wurde und alles zu oberflächig blieb. Da half es auch nicht, dass ich Mark Bremer als Hörbuchsprecher mittlerweile sehr mag.

Vor allem das Ende lies mich unzufrieden zurück, weil ich die Antworten zu dem was Geschehen ist, nicht ganz nachvollziehen konnte und mir irgendwie die Logik hinter allem gefehlt hat. Zwar fand ich das Ende einerseits gut, weil es mehr ein Abschluss ist als das Ende vom dritten Band, aber andererseits hatte ich doch zu viel Kritik daran.

Ich hätte vielleicht lieber beim dritten Band Schluss machen sollen, da meine Erwartungen an dieses Finale sehr hoch waren, vielleicht einfach zu hoch. Denn obwohl ich das Hörbuch spannend fand und die Idee des Gefängnisses unter der Erde genial, wurde mir vieles zu oberflächig behandelt und auch das Ende konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Wer allerdings einen richtigen Abschluss möchte, dürfte an diesem Band gefallen finden.

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