[Rezension] „Sanctuary– Flucht in die Freiheit“ von Paola Mendoza, Abby Sher

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Nachdem die 16-jährige Vali mit ihrer Familie vor Jahren von Kolumbien in die USA geflohen ist, hat sie sich dort ein Leben aufgebaut. Doch im Jahre 2032 werden alle Menschen mit einem ID-Chip überwacht und nur Menschen, die in den USA geboren wurden, haben ein Recht dort zu leben. So lebt Vali unter dem Radar und hofft jeden Tag, dass ihr gefälschter ID-Chip weiterhin funktioniert. Doch dann werden immer mehr Menschen gefangen genommen und immer mehr Unregistrierte gefunden. Zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Mutter muss sie fliehen, denn der gefälschte Chip ihrer Mutter funktioniert schon lange nicht mehr. Ihre einzige Hoffnung ist, dass sie Kalifornien erreichen.

Diese Dystopie, die ich eigentlich nicht als Dystopie bezeichnen würde, konnte schon alleine, wegen seiner Aktualität mein Interesse wecken. Denn die Autorinnen befassten sich mit realen Themen. Die Idee entstand als Trump an die Macht kam. Würde man seine Regierung weiter denken, wäre so ein Szenario, wie es hier im Buch beschrieben wurde, definitiv denkbar, da vieles schon heute der Fall ist. Einzig der ID-Chip spielt noch etwas in der Zukunft und einige Aspekte des Buches wurden bisher nur angedacht. So befasst sich das Buch auch sehr mit dem politischem Hintergrund.

Das Buch beginnt damit, dass ein Mädchen an der Mauer zwischen Mexico und San Diego in die Luft gesprengt wird. Die Atmosphäre in diesem Abschnitt erinnerte mich sehr stark an die Geschichten meiner Mutter, wenn sie berichtete, wie wir damals aus der ehemaligen DDR geflohen sind, auch wenn zu dem Zeitpunkt nicht einfach Menschen erschossen wurden.

Als Vali dann mit ihrer Familie flieht, geht das Grauen erst richtig los. Vali ist für ihr Alter schon sehr reif, da sie immer in ständiger Angst leben musste und schon ihren Vater verloren hatte. Sie sorgt sich um ihren Bruder und ihre Sicherheit und übernimmt unglaublich viel Verantwortung. Sie war mir direkt sympathisch und so konnte ich gar nicht anders als mit ihr zu fühlen, zumal der Schreibstil sehr eindringlich ist und alles aus ihrer Ich-Perspektive geschildert wurde.

Die Flucht wurde meiner Meinung nach sehr authentisch beschrieben und alles war sehr spannend, aber auch grausam. Allerdings finde ich, dass die Figuren insgesamt etwas blass dargestellt wurden. Einzig Vali hatte etwas mehr Tiefe. Zudem denke ich, wer hier einen dystopischen Roman erwartet, könnte enttäuscht werden. Denn das Buch ist erschreckend real und orientiert sich an heutigen Geschehnissen. Dennoch kann ich es jedem empfehlen, der sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte.

„Sanctuary– Flucht in die Freiheit“ fühlte sich beim Lesen erschreckend real an und ich finde nicht, dass es wirklich eine Dystopie ist. Dennoch ist das Thema wichtig und die Umsetzung insgesamt gelungen, weswegen ich das Buch auf jeden Fall empfehlen kann.

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