[Rezension] „Seeing what you see, feeling what you feel“ von Naomi Gibson

Das Copyright und die Bildrechte vom Cover liegen beim Planet! Verlag.

Viele Jahre lang hat Lydia ihre eigenen KI programmiert und sie schließlich nach ihrem toten Bruder Henry benannt. Am Anfang hat ihr Vater ihr noch dabei geholfen, doch dann hat er sie und ihre Mutter verlassen. Seit dem Tod ihres Bruders hat sich so viel verändert und selbst Lydias beste Freundin hat sich von ihr abgewandt. So steckt Lydia ihre ganze Energie in ihre KI, denn nur mit Henry kann sie wirklich reden. Von ihm fühlt sie sich verstanden und geliebt und als Henry einen Weg findet, dass sie sich noch näher sein können, zögert Lydia nicht lange. Für Lydia würde Henry alles tun, doch was ist, wenn eine KI zu mächtig wird?

Da das Thema einer künstlichen Intelligenz mich immer wieder reizt, war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Zwar ist hier vieles wirklich noch im Science-Fiction-Bereich anzusiedeln, aber dennoch regt das Buch zum Nachdenken an und klingt lange nach. Denn es befasst sich mit vielen ethischen Fragen und die Vorstellung, dass man von einer KI kontrolliert werden kann, ist einfach gruselig, wenn auch denkbar.

Die KI wird von Lydia wie ein Mensch behandelt und ich finde es fraglich, ob eine KI wirklich in der Lage wäre Gefühle zu entwickeln und wirklich immer menschlicher zu werden, so wie es in diesem Buch dargestellt wurde. Dadurch, dass die KI sich in jedes System hacken kann, besteht eine zusätzliche Bedrohung für die Menschheit, die durchaus authentisch ist.

Deshalb wird auch die Regierung auf Henry aufmerksam. Mich hat es überrascht, dass das Thema mit der Regierung tatsächlich nur angeschnitten wurde und das Haupttaugenmerk auf der Entwicklung von Henry, und wie er immer selbstständiger und mächtiger wurde, gelegen hat. Dennoch merkt man, dass die Regierung unbedingt hinter sein Geheimnis kommen möchte und geht dabei sehr weit, was mich sehr schockiert hat. Zwar war mir Lydia mit ihren Handlungen nicht immer sympathisch, weil sie moralisch und ethisch völlig fragwürdig handelt, aber dennoch muss sie einiges durchmachen um Henry zu schützen. Mir persönlich war sie zu impulsiv, da sie nie über ihre Taten und ihr Handeln nachdenkt.

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und ich war durchweg gefesselt. Auch war alles, was die KI und das Programmieren betrifft, sehr verständlich geschrieben, sodass ich keine Probleme damit hatte die Zusammenhänge zu verstehen. Der Plot wird aus Lydias Ich-Perspektive geschildert, was sehr gut zu der Geschichte passt.

Allerdings muss ich sagen, dass hier meiner Meinung nach vieles sehr überzogen dargestellt wurde und ich mir auch mehr Antworten zu den Machenschaften der Regierung gewünscht hätte. Dennoch war das Buch durchweg unterhaltsam, spannend und sehr emotional. Ich bin mir allerdings nicht sicher, was ich von dem Ende halten soll, es war aber denfinitiv überraschend.

Für mich war das Buch kein absolutes Highlight, was schon alleine an der Protagonistin lag, aber auch daran, das vieles auf mich zu überzogen wirkte. Dennoch fand ich die Idee und die Umsetzung spannend und finde, dass das Buch lange nachklingt, sodass ich es definitiv empfehlen kann und froh bin, dass ich es gelesen habe.

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