[Rezension] „Halbe Helden“ von Erin Jade Lange

Dane ist ein typischer Schlägertyp und ihm droht der Schulverweis. Seine
letzte Chance besteht darin, dass er Billy D., einem neuen Schüler mit
Downsyndrom, hilft und auf ihn aufpasst. Doch dieser möchte viel lieber
Kämpfen lernen und nach Danes und seinem eigenen Vater suchen. Billys
Vater hat ihm einen Atlas voller Rätsel, seltsamen Hinweisen und
kuriosen Ortsnamen hinterlassen und Billy ist der Meinung, wenn er alles
löst, dann findet er auch seinen Vater. Dean ist zu Beginn einfach nur
genervt, aber nach und nach ändert sich das, auch wenn Billy ihn ganz
schön in Schwierigkeiten bringen kann…

 

Schon länger wollte ich ein Buch aus dem Magellan-Verlag lesen und da
ich selber Kinderkrankenschwester bin und schon einige Kinder und
Erwachsene mit Downsyndrom kennengelernt habe, konnte „Halbe Helden“ direkt mein Interesse wecken. Es ist ein Buch einer ungewöhnlichen Freundschaft und ich muss sagen, dass ich es verschlungen habe. Es ist wirklich toll und so anders, als vieles was ich sonst lese.

Zuerst ist Dean kein wirklich sympathischer Protagonist. Er sucht Streit,
verprügelt jeden und rechtfertigt sich dann. Erst durch Billy verändert
er sich. Sieht viele Dinge anders und lernt mit seinen Problemen
umzugehen. Ebenso hilft er Billy, der seinen Vater sucht und vieles
einfach nicht weiß. Ich finde die Freundschaft der beiden so echt und
lebensnah und ich werde diese beiden ungewöhnlichen Protagonisten
wirklich vermissen, denn sie sind mir ans Herz gewachsen. Vor allem
Billys manchmal sehr simple Logik (die übrigens wirklich zum Downsyndrom passt), der Dean nichts entgegenzusetzen hat, brachte mich oft zum Schmunzeln. Und auch sonst, ist er realistisch beschrieben, auch wenn der Grad der Behinderung bei Downsyndrom sehr stark varrieren kann.

Das Buch bietet so einige Überraschungen und ich konnte gar nicht anders
als mit den Jungs zu fiebern, als sie hoffen Billys Vater zu finden. Als
die beiden ein Mädchen kennenlernen und sich beide für sie
interessieren, nimmt der Plot nochmal eine andere, aber tolle Wendung
an. Vor allem da das Mädchen, das Seely heißt, kein typisches Mädchen
ist und bei zwei Vätern aufwächst, was auch nicht alltäglich ist.

Der Schreibstil ist herrlich zu lesen und erzählt mit viel Humor eine echte
Geschichte. Sie wirkt nicht konstruiert, sondern als könnte sie
wirklich so im Leben stattfinden. Alles ist leicht und locker
geschildert und die Sprache passt zu Deans Umgang und auch Schimpfwörter werden nicht ausgelassen. Alles wird aus Deans Perspektive geschildert (personaler Erzähler), was sehr gut passt.
Vor allem Deans Aggressionen werden sehr gut dargestellt, aber auch sonst mag ich den Schreibstil einfach.

Das Buch bietet überraschend viel Tiefgang und eine Vielschichtigkeit, die
mich tief beeindruckt hat. Das Ende ist anders als ich es erwartet
hätte, aber dennoch gelungen und richtig gut. Es bildet einen stimmigen
Abschluss und auch wenn ich Dean und Billy vermissen werde, war dieses
Buch für mich ein echtes Highlight.

 

Wer Bücher sucht, die mitten im Leben spielen, darf sich „Halbe Helden“
auf keinen Fall entgehen lassen. Es ist ein Buch über eine ungewöhnliche
Freundschaft, mit viel Tiefe und Humor und ich habe jede einzelne Seite
genossen.

3 Replies to “[Rezension] „Halbe Helden“ von Erin Jade Lange”

  1. Hallo Mandy =)

    Mir ist das Buch schon in der Verlagsvorschau aufgefallen und hat direkt mein Interesse geweckt. Wenn ich deine Eindruck vom Buch hier so lese, dann kann ich wohl nicht anders, als das Buch bei mir einziehen zu lassen. Die wenigen Bücher, die ich bisher aus dem Verlag gelesen habe, waren alle samt Glücksgriffe, also warum soll es hier anders sein? ^^

    LG
    Anja

  2. Hallo Mandy,

    das Buch steht auch bei mir auf der WuLi und ich bin schon sehr gespannt, wie die Thematik umgesetzt wurde. Eine tolle Rezi von Dir, die auf jeden Fall Lust auf die Geschichte macht.

    Auch das Cover passt sehr gut zum Titel, wie ich finde – Magellan halt !!!! :)

    Liebe Grüße,
    Uwe

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