[Rezension] „Ein kleines Wunder würde reichen“ von Penny Joelson

Das Copyright und die Bildrechte vom Cover liegen beim Fischer Verlag.

Die vierzehnjährige Jemma leidet unter Zerebralparese. Sie kann sich nicht bewegen, nicht sprechen, sich nicht mitteilen. Dennoch verraten ihr Menschen ihre tiefsten Geheimnisse. Als ein schrecklicher Mord geschieht und sie wieder ein Geheimnis erfährt, wünscht sie sich nichts sehnlicher als dieses endlich jemandem mitteilen zu können, doch fehlt ihr die Möglichkeit dazu…

Dieses Buch konnte vor allem meine Neugierde wecken, weil ich in dem Bereich arbeite, der hier beschrieben wird. Zwar wohne ich nicht bei den Familien, wie es hier bei Sarah, der Pflegerin von Jemma der Fall ist, sondern arbeite nur im Schichtsystem, aber dennoch hat mich das Buch aus beruflichem Interesse gereizt.

Jemma ist ein Mädchen, das kognitiv komplett altersgerecht entwickelt ist, alles um sich herum mitbekommt und sich um alles Gedanken macht. Sie ist aber gelähmt und es gibt keine Möglichkeit für sie sich mitzuteilen. Da alles aus ihrer Ich-Perspektive geschildert wird, hat man das Gefühl alles hautnah zu erleben und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Zu Beginn war ich skeptisch, ob ihre Erkrankung richtig dargestellt wird, aber so wie es hier beschrieben ist, ist es durchaus bei einer Zerebralparese möglich, sodass das Buch sehr authentisch ist.

Zu Beginn habe ich mich auch gefragt, wieso Jemma sich nicht per unterstützer Kommunikation (wie z.B. einer Augensteuerung und einem Talker, der dann für die Person spricht (ähnlich wie ein Tablet)) mitteilen kann. Im Laufe des Buches wird klar, das in dem Bereich schon einiges bei ihr versucht wurde und auch weiterhin nach einer Lösung gesucht wird. Also aus fachlicher Sicht, finde ich das Buch wirklich nicht schlecht, da auch alles leicht und verständlich, aber auch einfühlsam geschildert wurde und gut recherchiert wirkt.

Der eigentliche Plot um den Mord konnte mich nicht ganz überzeugen, da er mir zu vorhersehbar war. Doch ich denke, dass hier nicht das Ziel war, dass es eine möglichst überraschende Wendung geben soll, sondern man für das Thema körperliche Behinderung sensibilisert werden soll. Zudem spürt man Jemmas Hilflosigkeit auf jeder Seite, aber es gibt auch Hoffnung und das hat mir wirklich gut gefallen. Das Buch ist auf eine ruhige Art spannend und gipfelt in einem spannenden Finale.

Zudem steht Familie, Zusammenhalt, Freundschaft und Vertrauen stark im Vordergrund, was mir ebenfalls gefiel. Denn Jemma ist nicht das einzige Kind mit einer Behinderung in ihrer Familie und ihre Eltern auch nicht ihre wirklichen Eltern, aber dennoch gibt es in diesem Buch so viel Liebe und Geduld, dass ich ganz verzaubert war.

Die Figuren des Buches sind authentisch und toll dargestellt und auch der Schreibstil passt zu dem Ganzen, vor allem da er sehr emotional und einfühlsam ist. Das Ende schließt das Buch sehr gut ab, sodass ich es insgesamt sehr empfehlen kann.

Das Buch bekommt sehr gute vier Sterne von mir, da es sehr gut recherchiert, einfühlsam und authentisch ist. Einzig die Vorhersehbarkeit des Mordfalls gefiel mir nicht ganz so. Dennoch ist es ein gelungenes Buch über ein Mädchen, das lernt aus ihrer Behinderung das Beste zu machen und über eine Familie, die ich nur bewundern kann. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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