[Rezension] Catherine Fisher- Incarceron: Fliehen heißt sterben

 
 

Finn ist seitdem er denken kann ein Gefangener in Incarceron, einem Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Es ist riesig und trifft eigene Entscheidungen. Doch er hat seltsame Träume und Visionen von der Außenwelt und so ist er der festen Überzeugung, dass er nicht im Gefängnis geboren ist.
Claudia dagegen lebt außerhalb des Gefängnisses und sie denkt, dass Incarceron das Paradies ist.
Sie weiß nicht, wie grausam und schrecklich es wirklich ist. Nur ihr
Vater, der Hüter Incarcerons weiß die Wahrheit.
Eines Tages findet Finn einen seltsamen Schlüssel und beschließt aus Incarceron zu fliehen. Doch das scheint ein unmögliches Unterfangen zu sein, denn Incarceron lässt niemanden entkommen.


Das Buch ist mir zuerst durch das wunderschön gestaltete Cover aufgefallen und manchmal lasse ich mich alleine dadurch zu einem Buch hinreißen. Der Klappentext hat mich aber auch direkt interessiert.
Meine Meinung ist nun nach dem Lesen sehr zwiegespalten, denn es gibt für mich viele positive, aber auch einige negative Kritikpunkte, die ich euch nun im Folgenden schildern werde.

Die Idee und das Setting des Buches finde ich sehr originell und es hat mich direkt angesprochen.
Alleine das Gefängnis, was düster und lebendig ist und in dem
Generationen von Menschen aufgewachsen sind, die dort leben, wie in
einem ganz eigenem Land, mit Städten und Herrschern, hat es mir
angetan. Die Idee ist neu und sehr originell. In Incarceron gibt es
wahnsinnig viel zu entdecken.
Aber auch die Welt in der Claudia lebt finde ich interessant. Allerdings habe ich einen deutlich schwierigeren Zugang zu ihrer Welt außerhalb Incarcerons gefunden. Diese Welt lebt nach strikten Regeln, wirkt auf den ersten Blick eher, als wenn es in der Vergangenheit spielt. Doch dann
tauchen immer wieder wissenschaftliche Errungenschaften auf, die
eigentlich gar nicht benutzt werden dürfen. Dadurch ist mir der
Einstieg ins Buch auch etwas schwer gefallen. Die ganzen
Zusammenhänge, wie die Welt entstanden ist, in der Claudia lebt,
fehlen mir. Erklärungen gibt es nur wenige, denn man erfährt nur,
dass es einen Krieg gab und es seitdem einen König gibt. Hier hätte
ich mir mehr Erklärungen und Hintergründe gewünscht und das ist
auch mein Hauptkritikpunkt. Die ganze Idee hat so viel mehr
Potential, als wirklich genutzt wurde.
Die Erklärungen rundum Incarceron habe ich dagegen als ausreichend empfunden.

Zu Beginn spielen sich die beiden Handlungsstränge rund um Finn und Claudia nur getrennt voneinander ab und erst später treten die Beiden in Kontakt, was ich nicht weiter schlimm finde, es aber anders erwartet habe. Catherine Fisher ist es wunderbar gelungen die beiden Handlungsstränge später zu verknüpfen.

Zuerst lernt man Finn und Claudia kennen. Dabei ist Finn für mich der interessantere Protagonist von den Beiden, denn er ist vielschichtig. Zusammen mit seinem Eidbruder Keiro geht er durch dick und dünn. Als er den Schlüssel findet, versucht er mit Keiro und zwei anderen Begleitern zu
fliehen. Dabei gibt es immer wieder Überraschungen für Finn und
auch den Leser.
Claudia ist eigentlich eine ziemlich langweilige Protagonistin, zu der ich zuerst nur schwer Zugang gefunden habe. Sie ist behütet und reich aufgewachsen und soll einmal Königin werden, aber dennoch möchte sie mehr über Incarceron erfahren und nach und nach wird sie für mich
interessanter, denn man merkt, dass sie mit ihrem Leben nicht
glücklich ist und etwas ändern möchte. Sie ist definitiv eine
sympathische Protagonistin, die im Nachhinein doch mehr Tiefe zeigt,
als ich zuerst dachte.
Besonders herausgestochen haben einige der Nebenfiguren, die schon anders als erwartet sind und sehr prägnant dargestellt sind.

Der Schreibstil passt sich sehr gut den verschiedenen Welten an, sodass ein stimmiges Ganzes entsteht. Dabei schreibt Catherine Fisher sehr atmosphärisch und leicht und locker, sodass ich das Buch trotz seiner Mängel sehr schnell durchgelesen habe. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Finn und Claudia (personaler Erzähler) geschildert, sodass man beide bei ihren unterschiedlichen Abenteuern begleitet. Die
Passagen aus Finns Sicht haben mir persönlich aber besser gefallen.

Spannung baut sich erst nach und nach auf, aber vor allem gegen Ende kann das Buch durch Einfallsreichtum und überraschenden Wendungen überzeugen. Das Ende ist ziemlich offen und macht Lust auf den zweiten Band.


Catherine Fisher hat mit „Incarceron“ eine innovative und neuartige Welt erschaffen, die großes Potential hat, aber für meinen Geschmack zu viele Fragen offen lässt. Dennoch konnte mich das Buch durch tolle Ideen und
überraschenden Wendungen die meiste Zeit fesseln.


4 Replies to “[Rezension] Catherine Fisher- Incarceron: Fliehen heißt sterben”

  1. Eine tolle Rezi.

    Auch wenn es ja doch einige Kritikpunkte an dem Buch gibt, scheint es ja doch alles in allem solide zu sein. Und wenn es trotzdem neugierig macht, wirst du dann auch weiterlesen?

    Bei mir steht das Buch weiterhin auf der WL. Mal sehen, wann ich es dann lese. :)

    LG
    Lilly

    1. Danke, liebe Lilly. *-*
      Ich werde es auf jeden Fall weiterlesen, wenn die Kurzbeschreibung passt. Das Ende fand ich echt gut und nachdem ich endlich in die Gehschichte reingefunden habe, kann der 2. Band (hoffentlich) eigentlich nur gut werden.
      Wenn du es lesen wirst, wünsche ich dir ganz viel Spaß damit. ;)
      LG
      Mandy

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