[Rezension] „Spinster Girls- Was ist schon normal?“ von Holly Bourne

Das Copyright und die Bildrechte vom Cover liegen bei dtv.

Nachdem Evie schon länger in Therapie ist und sie ihre Medikamente reduzieren kann, wünscht sie sich nichts sehnlicher als normal zu sein. Und alles scheint gut zu laufen. Sie hat ein Date, findet Anschluss und hält ihre Ängste unter Kontrolle. Als das Date ein völliger Reinfall wird, trifft sie auf Amber und Lottie und zusammen gründen sie den Spinster Club. Doch über ihre Krankheit kann sie nicht sprechen.

Ehrlich gesagt wäre mir dieses Buch nie aufgefallen, wenn es mir nicht vom Verlag empfohlen worden wäre. Das Cover ist überhaupt nicht mein Fall und so hätte ich es mir nicht näher angeschaut. Doch ich muss sagen, dass ich dann etwas verpasst hätte, da mich dieses Buch komplett überzeugen konnte.

Im Mittelpunkt steht Evie, die immer noch mit ihren psychischen Problemen und Ängsten kämpft und einfach nur ein normaler Teenager sein möchte. Ihre beste Freundin zieht sich von ihr zurück und sie fühlt sich ziemlich allein. Bis sie Lottie und Amber trifft und die drei den Spinster Club gründen. Es ist ein Buch über Freundschaft und Zusammenhalt, in dem aber auch Feminismus sehr wichtig ist. Es zeigt, dass man sich als Mädchen/Frau nicht alles gefallen lassen muss und es finden Dinge wie der Bechdel-Test, den ich erst mal googeln musste und der dazu dient Stereotypisierung weiblicher Figuren in Spielfilmen wahrzunehmen und zu beurteilen, in dem Buch Erwähnung. Diesen Aspekt fand ich unglaublich spannend, da er zum Nachdenken anregt.

Doch was mir hier am besten gefallen hat, ist wie real Evies psychische Erkrankung dargestellt wird. Alles wird authentisch geschildert und nichts romantisiert. Es gibt keine plötzliche Wunderheilung und für Evie ist jeder Schritt schwer. Es gibt Rückschritte und es ist nicht einfach für sie. Und gerade das finde ich gut und wichtig. Denn wer so erkrankt ist, wie Evie, der muss kämpfen um ein normales Leben zurückzugewinnen. Wobei hier auch gut das Thema „Was ist eigentlich normal?“ thematisiert und kritisch beleuchtet wird.

Sowieso ist das Buch voller versteckter und offensichtlicher Kritik an der Gesellschaft und dem, was auf Schulen geschieht. Dieses Buch zeigt jungen Mädchen, das sie nicht alleine sind. Es gibt andere wie sie, aber man darf nicht aufgeben. Unterstützt wird das Ganze durch unglaublich authentische Figuren mit Fehlern. Jede Figur hat seine Ecken und Kanten und keiner ist perfekt, aber Evie und die anderen sind liebenswert und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Vor allem gefällt es mir, dass sie sich nicht in Geschlechterrollen drängen lassen wollen und für sich selber einstehen.

Doch obwohl das Buch ein ernstes Thema behandelt, ist es auch spritzig und erfrischend anders, was man schon an dem locker, flockigen Schreibstil merkt. Alles wird aus Evies Ich-Perspektive geschildert und so ist das Buch so geschrieben, wie jemand in ihrem Alter sprechen würde, was sehr gut passt. Zudem gibt es manche Sätze bei denen ich einfach schmunzeln musste. Dennoch werden die Emotionen ausdrucksstark geschildert und ich konnte gar nicht anders als mit Evie mitzufiebern.

Das Ende ist ungewöhnlich, aber unglaublich passend. Ich bin begeistert von diesem Buch und froh, dass ich es gelesen habe. Denn es ist ein Buch mit einer wichtigen Botschaft.

Ich hätte nie erwartet, dass mich dieses Buch so sehr überzeugen kann. Es ist ein Buch über Freundschaft, Zusammenhalt, Feminismus, aber auch einer psychischen Erkrankung, die nicht romantisiert wird. Hier geht es um starke Mädchen, die sich nicht in Geschlechterrollen drängen lassen wollen und für sich selber einstehen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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